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Evaluation des Projektes

Superwahljahr – das war`s!
Das Superwahljahr 2009 ist vorüber. Die gewählten Parteien haben in manchmal auch zähen Koalitionsverhandlungen auf Europa-, Bundes-, Landes- und Kommunalebene den „WählerInnenwillen“ umgesetzt und arbeitsfähige Parlamente gebildet. Die Parlamente haben längst damit begonnen Regierungen zu bilden und „ihr Alltagsgeschäft“ aufzunehmen. Ein detaillierter Blick auf die WählerInnenschaft – besonders mit dem Fokus auf die Wahlbeteiligung von Erst- und JungwählerInnen – während aller vier Wahlen in Thüringen soll im Zentrum des folgenden Artikels stehen.

Die Wahlbeteiligung in Thüringen 2009
Am 07. Juni gingen etwa 53 % aller wahlberechtigten ThüringerInnen zur Kommunal- und Europawahl an die Urne. Der Anteil der Erst- und Jungwählern ist hierbei leider nicht gesondert ermittelt und veröffentlicht wurden. Bundesweit nahmen 43,3 % aller wahlberechtigten BürgerInnen an der Europawahl teil.
Ende August nahmen 51,0 % aller wahlberechtigten Frauen und Männer an den Wahlen zum Thüringer Landtag teil. Dabei betrugen der Anteil an ErstwählerInnen – Frauen und Männern zwischen 18 bis 21 Jahren – 39,22 % und der Anteil an JungwählerInnen – Frauen und Männer zwischen 22 bis 25 Jahren – 32,35 %. Die Bevölkerungsgruppe der JungwählerInnen war zugleich die Gruppe mit der niedrigsten Wahlbeteiligung.
Zur Bundestagswahl machten sich 65,2 % der ThüringerInnen zur Stimmabgabe in den neun Wahlkreisen in ein Wahllokal auf. Leider sind statistische Daten über die Erst- und Jungwähler bisher nicht gesondert erfasst und veröffentlicht wurden. Im gesamten Bundesgebiet Deutschland machten sich 70,8 % aller wahlberechtigten BürgerInnen auf den Weg in ein Wahllokal.

Erstwählerprojekt „DU HAST 2009 DIE WAHL!“ on Tour
Von März bis September 2009 war des Team des Erstwählerprojektes „DU HAST 2009 DIE WAHL!“ in über 22 Städten an über 47 Berufsbildenden Schulen und Einrichtungen mit über 204 Projekttagen in Thüringen unterwegs. Des Weiteren wurden im April an 11 polnischen Schulen 31 Projekttage in der Partnerregion Thüringens – Kleinpolen und Krakau – durchgeführt. In Thüringen wurden durch die Projekttage und Aktionen des Erstwählerprojektes direkt knapp 4000 und in Kleinpolen knapp 1000 SchülerInnen erreicht. Darüber hinaus hat eine breite Öffentlichkeit durch unzählige Presse-, Rundfunk-, Internet- und Fernsehberichte indirekt am Erstwählerprojekt „Du HAST 2009 DIE WAHL!“ partizipieren können.

Evaluation
Die Schulprojekttage wurden durch eine kurze Selbstevaluation begleitet. Durch die Evaluation sollten soziodemographische Daten, wie Alter, Geschlecht, Schulabschlüsse, Ausbildungsrichtungen sowie bisheriges und zu erwartendes Wahlverhalten und die persönliche Bewertung der Projekttage bei den SchülerInnen erfragt werden. Der Rücklauf der Evaluationsunterlagen betrug in Deutschland 3203 Bögen und in Polen 685 Bögen.

Ergebnisse der Evaluation in Thüringen

Geschlecht, Alter, Wohnort

Die Teilnehmenden des Erstwählerprojektes waren zu knapp 62 % Männer und zahlenmäßig stärkste Altersgruppe waren mit über 65 % die Gruppe der ErstwählerInnen – junge Frauen und Männer zwischen 18 bis 21 Jahren. Mit deutlichem Abstand lagen die Gruppe der unter 18-jährigen und die Gruppe der Jungwähler – Frauen und Männer zwischen 22 bis 25 Jahren – bei jeweils etwa 15 %. Knapp 90 % aller Teilnehmenden in Deutschland haben ihren Wohnort in Thüringen, die anderen in einem anderen Bundesland.

Schulform und Bildungsabschlüsse

Knapp 70% aller Jugendlichen, die an den Projekttagen teilgenommen haben befanden sich im dualen Berufsausbildungssystem an einer Berufsbildenden Schule. Darüber hinaus besuchten über 9 % der SchülerInnen ein Fachgymnasium, eine Höhere Berufsfachschule oder eine Fachoberschule, um einen höheren Schulabschluss zu erwerben. Über 8 % besuchten die Zivildienstschule und über 7 % der Teilnehmenden absolvierten ein Berufsvorbereitendes Jahr an einer Bildungseinrichtung.
Die meisten SchülerInnen – etwa 60 % - haben einen Realschulabschluss, während knapp 19 % den Hauptschulabschluss und 18 % die Allgemeine Hochschulreife bereits erworben hatten. Knapp 4 % der Teilnehmenden hatte keinen Schulabschluss.

Wahlbeteiligung

Knapp 60 % der Teilnehmenden an den Projekttagen des Erstwählerprojektes „DU HAST 2009 DIE WAHL!“ waren tatsächliche ErstwählerInnen in dem Sinne, dass sie noch nie an einer Wahl teilgenommen haben. Eine zu erwartende Wahlbeteiligung im Bezug auf die im Jahr 2009 anstehenden Europa-, Bundes-, Landes- und Kommunalparlamentswahlen wurden zu Beginn und zum Ende des Projekttags getrennt abgefragt. Hierbei sollte eine die Änderung im geplanten Wahlverhalten durch den Projekttag erforscht werden.
48 % der befragten SchülerInnen gaben zu Beginn – gegenüber 54 % der befragten SchülerInnen am Ende – des Projekttags an, an den bevorstehenden Wahlen teilnehmen zu wollen. 21 % der SchülerInnen entschied sich zu Beginn des Projekttags – gegenüber dem am Ende der Veranstaltung erfragten Wahlverhalten mit 18 % - nicht an den Wahlen im Jahr 2009 teilnehmen zu wollen. Die Gruppe der Unentschlossenen betrug zu Beginn 26 % und zum Ende des Projekttages 23 % der SchülerInnen.

Bewertung des Projekttages und der ProjektmitarbeiterInnen
73% der Teilnehmenden der Projekttage in Thüringen bewerteten diese mit gut und sehr gut. Die Bewertung der Projektmitarbeiter überbot diesen Spitzenwert, denn 84 % bewerteten diese mit gut und sehr gut. Im deutschen Schulnotensystem hätten die SchülerInnen den Projekttag mit einer Durchschnittsnote von 2,0 und die Projektmitarbeiter mit einer Durchschnittsnote von 1,7 bewertet. Für die Projektpartner und Projektleiter zeigt das bessere Ergebnis der Bewertung der Projektmitarbeiter gegenüber dem Ergebnis der Gesamtbeurteilung der Projekttage, dass der „Peereducation-Ansatz“ erfolgreich umgesetzt werden konnte und bei den Teilnehmenden seine Wirkung gezeigt hat.

Stimmen von SchülerInnen über das Erstwählerprojekt
Jakob, 18 Jahre: „Ich fand den Projekttag interessant. […] Politik ist mir ein Schritt entgegen gekommen. Ich habe die Politiker, die ich sonst nur im Fernsehen sehe, direkt erleben können und gemerkt, dass es ganz normale Menschen sind. […] Im Unterschied zum Unterricht in der Schule war der Projekttag variabel. Die Teamer haben uns gefragt, was wir brauchen. Sie sind auf uns eingegangen und haben gefragt, wann wir Pause machen wollen. […] Ich fand schön, dass der Projekttag von Leuten durchgeführt wurde, die jung – in unserem Alter – waren. Es war ein entscheidender Punkt für mich, dass es Leute in unserem Alter waren, die uns etwas über Politik erzählt und viel erklärt haben. […] Das hat das Thema gleich interessanter gemacht.“

Patrick, 24 Jahre: „Ich persönlich fand den Erstwählerprojekttag sehr gut. […] Besonders hat mir gefallen, dass der Projekttag von den Studenten unparteiisch durchgeführt wurde. […] Man konnte kontrovers diskutieren und uns wurde das theoretische Wissen über Parteien, Wahlen und unsere Staatsorganisation in Erinnerung gerufen und aufgefrischt. […] Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht zum Wählen gehen gezwungen wurde, sondern mich frei und kontrovers mit den Themen Politik und Wahlen auseinander setzen konnte. […] Die jungen Leute konnten mir vermitteln, dass Politik mich etwas angeht, weil es allgegenwärtig ist. […] Der Projekttag war eine gute und gelungene Sache.“

Auswertung der Projekttage in Polen
Die Wahlbeteiligung der wahlberechtigten polnischen Bürger zur Wahl des Europaparlaments lag 2009 bei 24,53 %. Die Projekttage an polnischen Schulen zeigten ein anderes Bild.
Der Männeranteil der Teilnehmenden an den Projekttagen lag bei knapp 44%. Über 65 % der SchülerInnen waren zwischen 18 und 21 Jahren und die zweitgrößte Gruppe waren die unter 18-jährigen mit knapp 35 %. 98% aller SchülerInnen kamen aus der Wojewodschaft – vergleichbar mit den deutschen Bundesländern – Kleinpolen.
Etwa 75 % besuchten das Liceum – in Deutschland vergleichbar mit der Schulform des Gymnasiums. Weitere 24 % besuchten das „Technikum“ – eine polnische Schulform – die junge Menschen für die Ausbildung in technischen Berufen vorbereitet.
Über 96 % der SchülerInnen sind tatsächliche ErstwählerInnen, in dem Sinne, dass sie zuvor noch nie an einer Parlamentswahl teilgenommen haben.
Die zu erwartende Wahlbeteiligung der jungen Leute an der Europawahl vor und nach dem Projekttag änderte sich mit rund 43 % nicht. Unentschieden, ob sie an der Wahl teilnehmen werden, äußerten sich rund 30 % der befragten SchülerInnen.
Über 70 % der SchülerInnen bewerteten den Projekttag insgesamt mit gut und sehr gut, während über 82 % die binationalen ProjekttagsmitarbeiterInnenteams mit gut und sehr gut bewerteten.

 

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