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Promis wählen

 

Die Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar (EJBW) setzte zusammen mit der TLZ Thüringische Landeszeitung und OTZ Ostthüringer Zeitung sowie mit Unterstützung des Vereins MOBIT e.V. zur Landtags- und Bundestagswahl in Thüringen ein Zeitungsprojekt um. Dabei ging es in einer flächendeckenden Kampagne darum,  die Bürgerinnen und Bürger zur Beteiligung an der Wahl am 30. August und zur Wahl demokratischer Parteien zu motivieren. Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Sport gaben persönliche und spezifische Statements ab, die in der TLZ und OTZ in einer Serie und in Sonderbeilagen während der letzten zwei Augustwochen erschienen sind.



Silbermond

Stefanie Kloß, Silbermond

"Die Würde des Menschen ist unantastbar"... 60 Jahre Grundgesetz. Wie wir das finden? Als uns diese Frage gestellt wurde, mussten wir ganz ehrlich zugeben, dass wir uns natürlich nicht jeden Tag mit der Existenz dessen auseinandersetzen, oder was es für uns bedeutet. Und warum nicht? Weil es für uns selbstverständlich ist. Ist es nicht normal, dass jeder Mensch gleich ist, egal was für eine Hautfarbe oder Religion er hat? Ist es nicht zweifelsfrei so, dass jeder ein Recht auf Leben hat und auf Freiheit? Hat nicht jeder ein Herz und ist am Ende nicht jeder einfach "Mensch"? Ist doch klar, oder? Ist das aber auch jedem so klar, wie uns? NEIN. Es gibt immer noch Leute, die glauben, dass andere Menschen weniger wert sind. Mein Gott, haben wir nicht aus der Vergangenheit gelernt? Jeder von uns hat die Chance zu verhindern, dass solche Menschen was zu sagen haben und es ist so einfach. 10 Sekunden dauert das Kreuzchen auf dem Wahlzettel. 10 Sekunden, um einer demokratischen Partei deine Stimme zu geben. 10 Sekunden, die zeigen, dass Rassismus und Intoleranz in deiner Stadt und deinem Land keinen Platz haben!

Hast DU 10 Sekunden???!

Jens Filbrich


Jens Filbrich, Mehrfacher Medaillengewinner bei Olympia und Weltmeisterschaften
„Die Auswahl des richtigen Skiwachses“

Mit der Entscheidung Wählen zu gehen ist es in der Demokratie wie mit der Auswahl des richtigen Skiwachses bei einem entscheidenden Skilanglaufrennen. Dabei bestimmen viele Faktoren die Auswahl: die Beschaffenheit der Strecke, die Wetterlage, die Temperatur, meine Tagesform, meine Rennstrategie und vieles mehr. Und so entscheide ich mich – nach genauer Analyse - entweder für das schwarze, grüne, gelbe oder rote Wachs. Denn nur mit dem richtigen Wachs habe ich eine Chance den Rennausgang entscheidend mitzubestimmen. Verzichte ich auf das Wachs, weil ich keine Zeit hatte oder der Meinung war, zwischen den einzelnen Skiwachsen eh keinen Unterschied feststellen zu können, dann habe ich mit dem Rennausgang meistens nichts zu tun und schau den Anderen nur hinterher.


Für mich als Profisportler zählen – bei aller Leidenschaft im sportlichen Wettkampf - vor allem Werte wie Fairness, Toleranz, Weltoffenheit und die Gleichheit aller Menschen.


Deshalb: Wählen Sie am 30.8. Ihre „Farbe“ aus, aber nur die „Farben“ die auch genau solche Werte unterstützen!!! Zeigen Sie mit Ihrer Stimme, dass Sie die Zukunft im Thüringer Landtag genauso mitbestimmen wollen, wie ich mein Skilanglaufrennen.

Sebastian Krumbiegel


Sebastian Krumbiegel, Die Prinzen

Vor 20 Jahren sind wir im Osten auf die Straße gegangen und haben für demokratische Grundrechte demonstriert. Mit Erfolg - deswegen können wir heute zur Wahl gehen und selbst bestimmen, wer uns in den nächsten Jahren regiert. Darüber sollten wir uns freuen und wir sollten vor allem davon Gebrauch machen. Zu Parteiverboten kann man stehen, wie man will. Ich glaube ja, dass man rassistischem, homophobem und nationalsozialistischem Gedankengut anders entgegentreten sollte, wählen würde ich eine Partei mit solchen Inhalten jedenfalls niemals. Das ist definitiv nicht das, wofür ich 1989 in Leipzig auf die Straße gegangen bin.







 


Harald Lieske, Betriebsratsvorsitzender Opel Eisenach

Leider gibt es auch in den Thüringer Betrieben immer mehr Beschäftigte, die nicht wählen gehen. Aus Protest, sagen viele von ihnen. Aber ihre Protestbotschaft ist unklar. Sind sie einfach nur gegen Veränderungen? Oder ändert sich zu wenig? Ohne Not verschenken sie ein Recht, für das viele von ihnen 1989 mit der Forderung „Freie Wahlen!“ auf die Straße gegangen waren.


Es ist falsch, nicht zur Wahl zu gehen. Wer nicht wählt, sorgt dafür, dass die immer gleichen Wähler die immer gleichen Politiker wählen. Er erhöht das Gewicht rechtsextremer Parteien, denn die können ihre Wähler immer mobilisieren: Wenn zum Beispiel nur jeder Zweite wählen geht, wiegt jede Stimme für die Rechten doppelt!


Die Politiker nehmen ihre Wiederwahl als Bestätigung ihrer bisherigen Politik. Hartz IV, Rente mit 67, Gesundheitsfond, die Gier der Manager - wer nicht wählen geht, hat sich damit abgefunden. Die „Partei“ der Nichtwähler, die beklagt, dass sich nichts ändert, ist also in Wahrheit die Ursache dafür, wenn sich nichts ändert.


Wem das nicht passt, der muss wählen gehen. Wer etwas ändern will, der muss wählen gehen. Wer nicht will, dass rechtsextreme Parteien in die Parlamente einziehen, der muss wählen gehen. Wer eine Marktwirtschaft will, der sozial ist, der muss wählen gehen. Eine starke Demokratie braucht eine starke Wahlbeteiligung. Die Politiker und die politischen Parteien werden uns Bürger nur ernstnehmen, wenn wir unser Wahlrecht ernstnehmen!

Monika Kruse
Monika Kruse, DJane

Ich habe gerade letzte Woche in Jena gespielt und hatte eine sehr schöne Zeit in Thüringen. Ich wurde als Gast freundlich empfangen, so wie überall auf der Welt. Leider ist dies anscheinend nicht für alle Menschen eine Selbstverständlichkeit. Vielfältigkeit, Offenheit, Lebensfreude und Toleranz sind in unserer elektronischen Musikszene immer sehr wichtig gewesen. Unsere Welt und unsere Probleme werden immer komplizierter und globaler und lassen sich national teilweise nicht mehr lösen. Lasst Euch nicht durch falsche Demagogen zu Hass, Nationalismus und Intoleranz anstacheln, sondern wählt und unterstützt am 30. August unsere demokratischen Parteien. Diese Parteien haben auch nicht für alles eine Lösung, jedoch respektieren sie jeden Menschen, egal woher er kommt und versuchen mit unseren ausländischen Nachbarn gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Ich denke, das ist die einzige Möglichkeit unsere Welt so zu verändern, das wir in ihr auch noch morgen leben wollen.
Ralf Zacherl
Ralf Zacherl, deutscher Sternekoch

Unsere Weltwirtschaftskrise sollte einer von vielen Gründen sein, zur Wahl zu gehen. Natürlich wissen wir alle: Politiker versprechen während der Wahlperiode mehr, als sie letztlich (meistens) halten. Aber ein Weg in eine vielleicht bessere Richtung können Sie mitbestimmen. Durch Ihre Stimme!



Knut Bernsen
Knut Bernsen

für den Einzelhandelsverband des Freistaates Thüringen
Die Thüringer Kaufleute und der Thüringer Einzelhandel haben täglich mit hunderttausenden von Menschen Kontakt. Unsere Geschäfte stellen unseren Kunden alles das zur Verfügung, was zum täglichen Bedarf gehört und was das Leben so angenehm wie möglich machen soll. Und zwar allen Menschen, gleich welcher Sprache, Hautfarbe, Herkunft oder religiöser Orientierung sie etwa sind. Alle – ohne Unterschied – tragen damit zur wirtschaftlichen Entwicklung des Handels bei. Die Gleichheit aller Menschen und die Würde jedes Einzelnen sind für uns dabei wichtige Prinzipien des unternehmerischen Handelns. Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in unseren Geschäften ebenso wie bei unseren Kunden.

Genau so, wie sSe sich beim Einkaufen in unseren Geschäften nicht vorschreiben lassen wollen, was Sie zu kaufen haben, sollten Sie die Entscheidung darüber, wer dieses Land in den nächsten Jahren regiert, nicht den andern überlassen. Gehen Sie am 30.8 zur Wahl, geben sie Ihre Stimme ab und bestimmen Sie mit!
Achten Sie aber auch darauf, dass Sie sich bei Ihrer Wahl nicht von schönen, übergroßen und mit irreführenden Schlagwörtern versehenen Mogelpackungen täuschen lassen.
Doppel-U
Doppel-U

Ihr denkt Ihr könnt nichts ändern, doch das kann JEDER!!!!
Wer nicht wählt, wählt BRAUN! Wollen WIR das????
WIR haben die WAHL!!!!
Was die Welt nicht bewegt setzen WIR auf Räder!!!



 
Prof. Dr. Wolf Wagner, Fachhochschule Erfurt

„Sprüche von Rechts auf den Prüfstand gestellt“

1. Die NPD klebt Plakate mit dem Text: „Heimreise statt Einreise“
Was ist davon zu halten?
In einer Broschüre für Führungskräfte wird das von der NPD ausführlicher behandelt: „Rückzuführen sind vor allem die Nicht-Europäer. Die Mischlinge, die deutsch-nichteuropäischen Beziehungen entstammen, werden das sich renationalisierende Deutschland über kurz oder lang freiwillig verlassen, weil ihnen der nationale Klimawandel nicht paßt.“
Hier kommt die gewalttätige Grundeinstellung der Rechtsextremen zum Vorschein. Man kann sich die Situation gut vorstellen, den „nationalen Klimawandel“, der Menschen dazu bringen soll, Deutschland „freiwillig“ zu verlassen. Man möchte in einem solchen „sich renationalisierenden Deutschland“ nicht leben. Es wäre von Drohungen bestimmt gegen alle, die den „Nationalen“ nicht behagen. Da gäbe es keine Freiheit mehr, keine kulturelle Vielfalt, keine schöpferische Selbstbestimmung, sondern nur noch „nationale“ Einheitlichkeit und angstvollen Gehorsam..
Aber schon die Rede von „Mischlingen“ ist ein Skandal. Denn „Mischlinge“ sind wir alle. Wir stammen alle von den ersten Menschen aus Afrika ab, die sich dort den besonderen Bedingungen einer Trockensavanne entwickelt haben. Und seither haben sich Menschen immer vermischt. Hätten sie es nicht, wären sie längst an Inzucht gestorben. Die Reinheit einer angeblichen Rasse oder eines „Volkes“ ist ein Mythos. Er stammt aus dem Bedürfnis der Rechtsextremen nach einer einfachen, überschaubaren Gemeinschaft statt der Vielfalt und Komplexität der wirklichen Welt.
Diese Partei ist nicht wählbar mit ihren versteckten Gewaltdrohungen gegen alles, was nicht in ihr enges Bild passt. Wählen sollten Sie aber auf jeden Fall. Denn mit jeder Stimme, die fehlt, kommt die NPD näher an die Fünf-Prozent-Hürde.

2. Die NPD klebt Plakate mit dem Text: „Arbeit statt Armut“
Was ist davon zu halten?
Die Rechtsextremen stellen besonders gerne soziale Forderungen, die auch von der Linkspartei oder der SPD kommen könnten. Sie klingen ganz vernünftig. Wer könnte etwas haben gegen die Forderung „Arbeit statt Armut“.
Schaut man aber im Programm der NPD nach, dann gelten solche Forderungen nur für diejenigen, die die NPD für „deutsch“ hält, nämlich solche mit deutschen Vorfahren: „Nationaldemokratische Sozialpolitik fühlt sich auch den sozial Schwachen unseres Volkes verpflichtet. Ausländer sind aus dem deutschen Sozialversicherungswesen auszugliedern.“
Man darf sich also nichts vormachen lassen. Alle gut klingenden Forderungen der NPD sollen nur für diejenigen gelten, die der NPD ins Zeug passen. Alle anderen sollen ausgeschlossen, unterdrückt und letztlich vertrieben werden.
Diese Partei ist nicht wählbar mit ihren versteckten Gewaltdrohungen gegen alles, was nicht in ihr enges Bild passt. Wählen sollten Sie aber auf jeden Fall. Denn mit jeder Stimme, die fehlt, kommt die NPD näher an die Fünf-Prozent-Hürde.

3. Die NPD klebt Plakate mit dem Text: „Thüringen wählt deutsch“
Was ist davon zu halten?
In einer Broschüre für ihre Führungskräfte schreibt die NPD, wie sie das meint: „Deutscher ist, wer deutsche Eltern hat, also wer deutscher Abstammung ist. Deutsch ist eine ethnische Herkunftsbezeichnung und keine Bezeichnung des momentanen Wohnortes oder des Passes. Die Staatsbürgerschaft muss prinzipiell an die Volkszugehörigkeit gebunden sein. Eine Volkszugehörigkeit kann man sich genau so wenig aussuchen wie die eigene Mutter. In ein Volk wird man schicksalhaft hineingepflanzt. In eine Volksgemeinschaft kann man nicht einfach ein- oder austreten wie in einen Sportverein, man wird in sie hineingeboren.“
„Thüringen wählt deutsch“ meint also: Thüringen soll die Leute wählen, die dafür sorgen, dass es in Deutschland nur noch Menschen mit deutscher Abstammung gibt und dass aus Deutschland eine Volksgemeinschaft wird. In ihrer Sehnsucht nach „Volksgemeinschaft“ und Einfachheit und Furcht vor Gesellschaft und Vielfalt wollen die Rechtsextremen alles auf Abstammung, auf die Gene, reduzieren. Dabei übersehen sie: Selbst wenn als Deutsche nur Menschen mit deutscher Abstammung gelten würden, würde es die große Vielfalt an Interessen und Anschauungen geben, die aus Deutschland eine Gesellschaft und keine „Volksgemeinschaft“ macht. Eine „Gemeinschaft“ ist nämlich eine kleine Gruppe von Gleichgesinnten. Eine Gesellschaft besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Menschen mit unterschiedlichen Interessen. Diese Vielfalt will die NPD abschaffen, wenn sie aufruft: „Thüringen wählt deutsch“.
Diese Partei ist nicht wählbar mit ihren versteckten Gewaltdrohungen gegen alles, was nicht in ihr enges Bild passt. Wählen sollten Sie aber auf jeden Fall. Denn mit jeder Stimme, die fehlt, kommt die NPD näher an die Fünf-Prozent-Hürde.
Lonsdale
Lonsdale und die Demokratie – Lonsdale Team
Anlässlich der Wahlen in Thüringen möchte auch die Marke Lonsdale ihren Standpunkt zum Thema Demokratie zum Ausdruck bringen. Demokratische Wahlen sind der Grundpfeiler unserer Gesellschaft und unerlässlich, um ein freies Leben in der Gemeinschaft zu führen. Mit der bis heute sehr erfolgreichen Kampagne „Lonsdale Loves all Colours“ bringen wir unseren Standpunkt deutlich zum Ausdruck, dass wir lediglich schöne, modische Sports- uns Streetwear verkaufen und uns stark von der rechtsextremistischen Szene distanzieren, da diese in unseren Augen für eine undemokratische Lebensführung steht. Wir weisen auch immer wieder darauf hin, dass Lonsdale eine Marke mit Geschichte ist, die auf den Boxmarkt zurückgreift und auch schon von weltbekannten Boxern wie Mohammed Ali, Mike Tyson und Lennox Lewis getragen wurde. Im Mai diesen Jahres erhielten wir auch die Europa-Lizenz für Lonsdale und freuen uns, nun auch in ganz Europa unsere Artikel vertreiben zu dürfen.Wir von Lonsdale fordern alle Bürgerinnen und Bürger auf, mit Ihrer Stimme zur Wahl zu gehen, denn nur das sichert ein freies Deutschland!
 
Milo, 11 Jahre, Schülerin des Humboldt-Gymnasiums Weimar
Wenn ich schon wählen gehen dürfte, würde ich auf gar keinen Fall die NPD wählen, weil: Sie beschimpfen Ausländer, nur weil sie anders aussehen und verprügeln diese, manchmal sogar bis zu deren Tod. Sie verfolgen Menschen, die einen anderen Glauben haben und ermorden diese meist brutal. Dazu das Beispiel: der Holocaust im 20. Jahrhundert. Wollen wir so etwas wirklich noch einmal erleben?Neonazis beschimpfen einfach irgendwelche Leute, die an irgendwas schuld sein sollen oder anders sind als das Idealbild, das sie sich vorstellen. Doch diesem Idealbild entsprechen die wenigsten Menschen (Beispiel blonde Haare, blaue Augen und in Deutschland geboren). Wollen wir Toleranz für Intoleranz?Sie täuschen vor, für Demokratie zu stehen, dabei wollen sie diese abschaffen. Und dies machen sie nur um eines zu erreichen: gewählt werden und somit genug Prozente erreichen, um in den Thüringer Landtag zu kommen. Falls sie dies widererwartend schaffen sollten, so gibt das den Nazis vielleicht Mut und sie kommen auch in andere Landtage rein. Wollen wir das wirklich?Viele Nazis sind gewalttätig und manche auch vorbestraft. Wollen wir Schwindler in unsere Parlamente wählen? Wollen wir Ausländerfeindliche, Gewalttätige und vorbestrafte Menschen wählen, die nichts anderes im Sinn haben, als Macht zu bekommen, wählen? Wollen wir, das es so oder so ähnlich noch mal passiert, wie es vor rund 70 Jahren der Fall war? Wenn ihr die Nazis nicht wählt, so könnt ihr sicher sein, dass ihr auch weiterhin frei eure Meinung sagen dürft. Das ist nämlich auch ein Punkt, den die Neonazis abschaffen wollen. Also, sagt eure Meinung und wählt auf gar keinen Fall die NPD!
Peter Gösel

Peter Gösel, Präsident des Landessportbundes Thüringen e.V.

Sportler wählen Demokratie! Dies ist nicht nur das Wahl-Motto einer Kampagne des Landessportbundes Thüringen e.V., sondern zugleich das Selbstverständnis des organisierten Sports. Sportler wählen nicht nur bei Kommunal- und Landtags- oder Bundestags- und Europawahlen. Wir wählen darüber hinaus unsere Vorstände und Delegierten der Sportvereine, Vorsitzende der Kreis- und Stadtsportbünde sowie Sportjugenden. Parallel dazu legen wir als Vorstände Rechenschaft ab gegenüber unseren Mitgliederversammlungen und treffen Entscheidungen innerhalb des Vorstands nach dem Konsensprinzip.

Unsere Wahl ist immer auch eine Entscheidung für oder gegen die sportliche Ausrichtung unserer Sportvereine, für oder gegen die Art der Organisation des Trainings- und Wettkampfbetriebes, für oder gegen strukturelle Bedingungen, in denen wir uns als Sportvereine bewegen. In jedem Fall sind sie aber immer ein Produkt demokratischer Mitbestimmung. Deshalb stellen wir uns auch selbst zur Wahl. Wir stützen die Gesellschaft durch unser ehrenamtliches Engagement und gestalten sie in wesentlichem Maße mit. Und wir lassen uns in unseren Ämtern abwählen, um anderen Engagierten Gestaltungs- und Wirkungsraum zu überlassen.

Als Trainer wählen wir oft jeden Tag den Weg zum Sportplatz, um Jugendliche oder Senioren, Frauen oder Mädchen, Männer oder Jungen ehrenamtlich zu trainieren. Weil wir gesellschaftliche Verantwortung tragen wollen und tragen können. Und weil wir Spaß an der Arbeit mit Menschen haben. Wir wollen die sportliche Entwicklung junger Menschen verfolgen, ihren persönlichen Reifeprozess begleiten und zugleich Ansprechpartner für außersportliche Belange sein. Wir wählen auch bewusst unsere Zeit und setzen diese ein, um Jugendbegegnungen zu organisieren, über den Sport hinausgehende Angebote der Jugendarbeit zu schaffen und Jugendliche selbst zu ehrenamtlichem Engagement zu motivieren.

Mehr als 3400 Sportvereine in Thüringen fühlen sich diesen, auf dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland basierenden demokratischen Prinzipien verpflichtet. Deshalb können wir umso deutlicher unterstreichen: Wer organisiert Sport treibt, wählt demokratisch! Und erteilt Extremisten, die das Grundgesetz und damit unsere demokratischen Prinzipien mit Füßen treten, den Platzverweis.
 
Daniel Gaede, Leiter der pädagogischen Abteilung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora

„Die Menschenrechte - ein Lackmustest“
Möchten Sie von einem NPD-Anhänger durch Buchenwald geführt werden? Was würde er Ihnen sagen über die mehr als 250.000 Menschen, die so brutal behandelt wurden, dass mehr als 56.000 die Zeit im KZ nicht überleben konnten? War es ein Kampf gegen "Überfremdung"? Bis 1938 hatten alle in Buchenwald einen deutschen Pass, SS-Angehörige wie Häftlinge, es war ein Kampf Deutscher gegen Deutsche - später erst kamen Menschen mit anderen Pässen hinzu, aus allen Ländern, die von den Nazis überfallen wurden.
Und was würde Ihnen erzählt werden über das sowjetische Lager von 1945 bis 1950? "In ehrendem Gedenken an unsere Ahnen" stand auf einer Schleife, die von Anhängern der NPD auf dem Friedhof des "Speziallagers Nr. 2" einmal abgelegt wurde. War da auch der Nazi-Bürgermeister Koch gemeint, der in seiner Amtszeit dafür sorgte, dass Bürger der Stadt als Juden verfolgt, abtransportiert und ermordet wurden?
Die Schicksale und Fakten in Buchenwald sind kompliziert, mit Ungenauigkeiten kann man da nur Unheil stiften. Daher arbeiten wir auf der Grundlage breiter historischer Forschung. Und es gibt einen eindeutigen Bezugspunkt: Die Menschenrechte. Sie galten nicht im Nationalsozialismus und die völlige Rechtlosigkeit, der insbesondere die Häftlinge in den Konzentrationslagern ausgeliefert wurden, war auch eine Katastrophe im Deutschland außerhalb der Lagerzäune. Für unsere Arbeit sind die Menschenrechte bindend, das betrifft die Betreuung unserer Besucher ebenso wie die Auseinandersetzung mit der Geschichte selbst.
Einer der Mitarbeiter an der Menschenrechtserklärung war Stephane Hessel, der nur Dank der heimlichen Hilfe politischer Häftlinge Buchenwald überlebt hat. Für ihn stand fest, dass nie wieder einzelne einem Staat und seinen Vertretern schutzlos ausgeliefert sein dürften; sein Leben lang hat er sich daher in den Vereinten Nationen für Benachteiligte in aller Welt eingesetzt. Sein Engagement für Gleichberechtigung, Verständigung und Kooperation auf diesem klein gewordenen Heimatplaneten (zu dem Thüringen gehört, ohne Nabel der Welt zu sein) ist ein Beispiel dafür, wie erneuten Verbrechen entgegengewirkt werden kann.

Auf welcher Basis wollen wir leben? Der Bezug auf die Menschenrechte ist nicht selbstverständlich. Auch wenn die meisten unserer Besucher entsetzt sind über die Verbrechen, die in Buchenwald und Mittelbau-Dora verübt wurden – es sind nicht alle: Manche Gäste meinen, gelegentlich seien solche Lager angebracht, um gesellschaftliche Probleme zu lösen. Doch so lassen sich die aktuellen Konflikte nicht lösen, nur verschärfen. So bleiben die Menschenrechte ein Lackmustest für politische Einstellungen, die hinnehmbar sind – oder eben nicht.
Tragen Sie mit dazu bei, dass die Diskussion um die Geltung der Menschenrechte nicht noch im Landtag zu führen ist. Wählen Sie eine demokratische Partei, die die Menschenrechte als Plattform ihrer Politik begreift – die NPD lehnt sie ab und hat daher im Parlament nichts zu suchen.
Dieter Althaus
Dieter Althaus, Thüringer Ministerpräsident, CDU


Liebe Bürgerinnen und Bürger,
an diesem Sonntag wird der neue Thüringer Landtag für die nächsten fünf Jahre gewählt. Ich bitte Sie, gehen Sie am Sonntag zur Wahl! Es ist wichtig, dass Sie von Ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.
Dafür sind wir 1989 / 90 auf die Straße gegangen. "Wir fordern freie Wahlen" stand damals in großen Lettern auf vielen Plakaten. Was heute selbstverständlich ist, musste zu Zeiten der SED-Diktatur hart erkämpft werden. Zudem birgt eine niedrige Wahlbeteiligung immer die Gefahr eines Erstarkens am rechtsextremistischen Rand des politischen Spektrums. Das sollten Demokraten nicht zulassen, denn eine solche Entwicklung ist nicht im Interesse Thüringens.
Lassen Sie uns gemeinsam das Land bewegen. Sie haben eine Erst- und eine Zweitstimme. Nutzen Sie Ihr Wahlrecht! Denn jede Stimme zählt.
 


Uwe Barth, Mitglied des Deutschen Bundestages, Vorsitzender der FDP Thüringen

„Jede Stimme zählt!“

Dieser Gedanke steckt voller Wahrheit! Wir brauchen für die kommenden Wahlen zum Thüringer Landtag und zum Deutschen Bundestag die Mitarbeit jedes wahlberechtigten Bürgers. Jeder hat zwei Chancen, um die Geschicke unseres schönen Freistaates Thüringen und der Bundesrepublik mitzugestalten. Zwei Sonntage, an denen man live an der Wahlurne mitentscheidet, welche Mandatsträger für die politische Zukunft Verantwortung tragen und vor allem, welche politischen Grundideen und Leitlinien die nächsten Jahre prägen.

Jeder Bürger sollte von seinem Recht wählen zu dürfen, Gebrauch machen. Dies ist unsere wichtigste Chance zur politischen Mitbestimmung und gibt uns die Möglichkeit, unseren eigenen Interessen Ausdruck zu verleihen. Mit jeder vergebenen Stimme für eine demokratische Partei verhindern Sie, dass extreme politische Kräfte an die Macht kommen. Eines sei hier deutlich gesagt: Ob Sie wählen gehen oder nicht, alle verfügbaren Parlamentssitze werden vergeben, ob mit Demokraten oder Extremen, darüber entscheiden SIE! Es bleibt kein Sitz frei, nur weil Menschen nicht zur Wahl gehen. In den Parlamenten sitzen dann aber die, die von den anderen hinein gewählt wurden. Und gerade die extremen politischen Kräfte gehen zur Wahl, dessen sollten wir uns immer bewusst sein.

Mein Aufruf an Sie, gehen Sie zur Wahl, beteiligen Sie sich an unserer Demokratie und nutzen Sie Ihre Stimme! Begreifen Sie das Recht wählen zu gehen als Bürgerpflicht.
Vor genau 20 Jahren gingen die Menschen im Ostteil unseres Landes auf die Straßen, um für freie und demokratische Wahlen zu demonstrieren. Dies erforderte von allen Beteiligten unter den damaligen Umständen viel Mut. Unter der unglaublichen Leistung „Eines Volkes“ wurde dieses Bürgerrecht erkämpft. Nutzen wir es und verhindern wir extreme Parteien in unseren Parlamenten. Unsere Kinder und damit unsere Zukunft werden es uns danken!

 


Christoph Matschie, Vorsitzender der SPD Thüringen

Wählen gehen - gegen Rechtsextremismus!
Unsere Demokratie ist mit ihren Werten Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit für alle Menschen die erfolgreichste Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Demokratie lebt vom Mitmachen, vom Engagement jedes Einzelnen. Die direkteste persönliche Mitwirkung, aber nicht die einzige, ist die Teilnahme an der Wahl. Damit übernimmt jeder einzelne Wähler Verantwortung für sich selbst und für die Art und Weise
des Zusammenlebens der Menschen.
Vom gewählten Parlament werden Gesetze erlassen und Steuergeld verteilt. Durch wen dies geschieht und welche Ziele damit verfolgt werden, das entscheiden die Wähler - aber auch die Nichtwähler. Letztere wählen indirekt immer mit: nämlich den Wahlgewinner. Ganz egal, ob die Nichtwähler mit dessen Zielen einverstanden sind oder nicht. Zum Beispiel: Ob und wie Jugendarbeit gefördert wird, ob es mehr oder
weniger sozial gerecht zugeht, ob auf die Umwelt geachtet wird oder nicht - all das entscheidet das Wahlergebnis. Und wenn nur wenige Menschen wählen, bestimmen sie diese wichtigen Dinge.
Missbrauch und Abbau demokratischer Rechte wäre die zwangsläufige Folge.
Die rechtsextremistischen Parteien als Feinde der Demokratie profitieren immer von geringer Wahlbeteiligung. Sie wollen mehr Einfluss und ihre Anhänger mobilisieren, um in die Parlamente zu kommen. Ihnen geht es darum, unsere Demokratie abzuschaffen, so wie sie es 1933 bei der Machtübernahme durch die Nazis getan haben. Es war damals der Fraktionsvorsitzende der SPD, Otto Wels, der zur Verteidigung der
Demokratie mit den Worten aufrief: „Freiheit und Leben kann man uns
nehmen, die Ehre nicht.“ Millionenfaches Leid, Weltkrieg und deutsche Teilung waren die Folge der Herrschaft der Nazis.
Wehret den Anfängen! Deshalb wollen wir Thüringer Sozialdemokraten ein Bündnis aller Demokraten gegen Rechtsextremismus!

Bodo Ramelow


Bodo Ramelow, Spitzenkandidat Die LINKE. Thüringen
Liebe Thüringerinnen und Thüringer,
geht bitte alle wählen. Wer nicht wählt, trifft die denkbar schlechteste Wahl. Am 30. August zu den Landtagswahlen und am 27. September zu den Bundestagswahlen einfach nicht hinzugehen, geht also nicht.
Viele sagen: „Meine Stimme bringt nichts, deshalb gebe ich sie erst gar nicht ab.“ Dahinter steckt oft Enttäuschung – nicht wenige haben ihren Job verloren oder sehen für sich derzeit keine befriedigende Zukunft. Dafür habe ich Verständnis. Politik darf diese Lebenswirklichkeiten nicht ignorieren, vielmehr muss sie sich an deren Verbesserung messen lassen.
Andere wiederum sagen: „Wählen gehen ist uncool, also lasse ich es bleiben.“ Und auch das ist eine Meinung, die wir nicht einfach beiseite schieben, sondern erst einmal ernst nehmen sollten. Wer kann sich nicht etwas angenehmeres vorstellen, als sonntags ein paar Kreuze auf Papier zu machen?
Wie so oft im Leben ist die Sache aber komplizierter. Denn auch derjenige, der seinen Wahlzettel nicht ausfüllt und in die Urne wirft, trifft eine Entscheidung. Er tut dies lediglich indirekt, wertet die Bedeutung der abgegebenen Stimmen auf. So ist die Nichtwahl am Ende eine Stimme für Parteien und Politiker, die sich den Problemen der Menschen nicht verpflichtet fühlen oder kein offenes Ohr für eine „coolere“ Lebenskultur haben.
Wie wir es also drehen und wenden, wir können uns nicht enthalten oder aus der Affäre ziehen. In der Demokratie ist unsere Stimme immer schon als gleichberechtigte gesetzt und das ist gut so. Für wen oder wofür wir unser Gewicht einsetzen, darin besteht unsere Freiheit und demokratische Verantwortung.
Von uns muss schon allein deshalb jeder wählen gehen, damit wir auch weiterhin eine Wahl haben. Dies ist der wichtigste Grund, der jeden überzeugen sollte. Erneut treten Neo-Nazis an. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Feinde unserer Bürgerrechte und Menschlichkeit Macht erhalten.

ARB


Astrid Rothe-Beinlich, Spitzenkandidatin zur Landtagswahl von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Thüringen
Ist unsere Demokratie durch die NPD gefährdet?
Heute Erfurt, morgen Weimar, übermorgen Apolda. Wiederholt werden die DemokratInnen von der NPD herausgefordert. Hier eine Demo, dort eine Kundgebung, an anderer Stelle ein vermeintliches Bürgerfest. Die NPD versteht sich gekonnt darauf, die demokratischen Parteien auf Trab zu halten. Um aber den braunen Brüdern und Schwestern nicht das Feld zu überlassen, sind wir deshalb dazu aufgerufen, Gesicht zu zeigen und mit entsprechenden Gegendemos oder Parteiständen auf die rechtsextreme Präsenz zu reagieren, gemäß dem Motto „Aktion – Reaktion“. Dieses Vorgehen verlangt viel Aufmerksamkeit, eine hohe Flexibilität und nimmt uns die Zeit, die wir stattdessen in konstruktive Dinge investieren könnten. Da käme es doch jedem Demokraten/jeder Demokratin geradezu gelegen, solche systemunterwandernden Gruppierungen einfach zu verbieten. Denn was nicht mehr erlaubt ist, kann uns auch nicht das Leben schwer machen. Doch rechtsextreme Überzeugung kann nicht einfach so hinweggezaubert werden. Die Stärke einer demokratischen Gesellschaft liegt gerade darin, dass die destruktiven Kräfte nicht verborgen sind, sondern sichtbar bleiben und somit auch bekämpft werden können. Wir Demokraten müssen uns deshalb selbstbewusst und mit argumentativer Überzeugungskraft - vor allem mit historischen Fakten, die der Realität entsprechen – gegen die Feinde unserer demokratischen Gesellschaft zur Wehr setzen. Denn unsere mühsam errungene Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Wir müssen jeden Tag aufs Neue dafür einstehen und darum kämpfen.

 


Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung Weimar
Aufforderung zum Wählen

Die Klassik Stiftung Weimar trägt eine doppelte Verantwortung für die demokratische Kultur in Deutschland. Mit unseren Vermittlungsangeboten halten wir das vielfach missbrauchte Erbe der Weimarer Klassik für die Gesellschaft von heute lebendig. Mit dem Bauhaus-Museum erinnern wir an die berühmte Schule für Gestaltung, die von den Nationalsozialisten vertrieben wurde.

Basis der Weimarer Klassik war ein besonderes, freies Verhältnis ihrer bürgerlichen Protagonisten zum Hof. Goethe kam als stolzer Frankfurter Patrizier nach Weimar, Schiller als intellektueller Freiheitsheld, der schon in früher Jugend seinem Fürsten getrotzt hatte. Im 19. Jahrhundert wurde Schiller zur Leitfigur des nach Emanzipation und nationaler Einheit strebenden Bürgertums. Insbesondere auch Kleinbürger und Arbeiter konnten sich auf seinen steinigen Lebensweg berufen. Insgesamt zielt die Bildungsutopie der Weimarer Klassik auf ein mündiges Urteil des einzelnen. Ohne die Mitwirkung mündiger Individuen ist kein Staat zu machen – und kein Staat kann es sich leisten, seine Bürger auf Dauer von politischer Teilhabe auszuschließen.

Das Bauhaus brachte die ästhetische Moderne nach Weimar. Es wurde gerade deshalb von vielen Anwohnern verhöhnt. Die Pflege des klassischen Erbes birgt die Gefahr der Erstarrung, der Angst vor dem Neuen. Im 20. Jahrhundert konnte Weimar binnen weniger Jahre vom Ort der Nationalversammlung zur Hochburg des Nationalsozialismus mutieren. Mit unseren Plänen für ein neues Bauhaus-Museum versuchen wir heute, Wiedergutmachung an der vertriebenen Moderne zu leisten.

Kern unserer Bildungsarbeit ist, das kulturelle Potential der Klassik wie der klassischen Moderne freisetzen. Das Bauhaus formulierte wie die Klassik ein Bildungsprogramm für mündige Individuen, ohne die keine Bürgergesellschaft bestehen kann. Wir wollen mit unseren Angeboten zur Meinungsbildung über die Fragen der Gegenwart beitragen. Wenn er das damals gedurft hätte: Friedrich Schiller wäre sicher zur Wahl gegangen!

Lars Oschmann


Lars Oschmann, Vorsitzender Thüringer Feuerwehr-Verband e.V.

Im Duden findet man unter dem Wort „Demokratie“, dass dieses Wort aus dem Griechischen kommt und „Volksherrschaft“ heißt. Es handelt sich bei der Demokratie um eine Staatsform, in der die vom Volk gewählten Vertreter die Herrschaft ausüben. Zur Demokratie und damit zur „Volksherrschaft“ ist es notwendig, dass das Volk auch seine Herrschaft ausübt und wählt. Wählt das Volk nicht, so verzichtet es auf seinen Einfluss und die Ausübung seiner Herrschaft.

Die Thüringer Feuerwehrleute beteiligen sich an der bundesweiten Kampagne der Feuerwehren „Unsere Welt ist bunt“. Wir verurteilen extremistische Tendenzen, insbesondere von rechts, die unsere Demokratie gefährden. Die Thüringer Jugendfeuerwehr hatte während des diesjährigen Landeszeltlagers Projekte zum „Jahr der Demokratie“ gestaltet. Die Kinder und Jugendlichen entwarfen Wandzeitungen und gaben rechten Tendenzen eine entschiedene Absage. Obwohl sie noch nicht wählen können, haben sie ein Zeichen gesetzt und uns zum Nachdenken angeregt. Demokratie kann nur erhalten bleiben, wenn das Volk Vertreter wählt, die zur Demokratie stehen.
Seit über 150 Jahren gehört die parteipolitische Neutralität bei unseren Feuerwehren zum Selbstverständnis. Die Feuerwehrleute helfen in Not jedem Bürger. Dabei spielen Weltanschauungen, Religionszugehörigkeiten oder parteipolitische Ausrichtungen keine Rolle. Dies ist auch ein Grund für das flächendeckend hohe Ansehen unserer Kameradinnen und Kameraden. Aber diese Neutralität führt nicht dazu, dass wir Feuerwehrleute uns nicht in der Gesellschaft engagieren. Wir gestalten diese Gesellschaft mit. Nur eine aktive Bürgergesellschaft sichert unsere Demokratie. Deshalb gehen auch wir Feuerwehrleute zur Wahl, um diese Demokratie zu sichern. Gehen auch Sie zur Wahl, um diese Gesellschaft zu gestalten und zu sichern!
Vom ehemaligen US-Präsident Thomas Jefferson ist folgende Aussage überliefert: „Schlechte Kandidaten werden gewählt von guten Bürgern, die nicht zur Wahl gehen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Christhard Wagner


Oberkirchenrat Christhard Wagner, Dezernent Bildung im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

„Nächstenliebe verlangt Klarheit – Evangelische Kirche gegen Rechtsextremismus“ -
Unter diesem Motto zeigt seit geraumer Zeit die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland Flagge. Die Kirchenleitung sagt dazu unmissverständlich: „Auf der Grundlage des biblischen Zeugnisses stellen wir fest, dass Rechtsextremismus und christlicher Glaube unvereinbar sind.“
Dieses klare Wort muss vor Ort durch ein ebenso klares Engagement bekräftigt werden. Initiativen, Bündnisse und viele tapfere Einzelpersonen tun das auch.
Doch zugleich bin ich erschüttert über die große Zahl derer, denen die bedrohliche Entwicklung in unserem Land scheinbar egal ist. Diese Gleichgültigkeit erwächst aus Bequemlichkeit und der Ignoranz gegenüber unserer eigenen Geschichte. Diese Gleichgültigkeit macht blind vor der akuten Gefahr.
Und gerade das ist gefährlich. Wenn Rechtsextremisten heute fordern, dass anstelle der Förderung von Schwachen das Augenmerk auf Gesunde und Starke zu richten ist, müssen die Alarmglocken läuten: Wir erinnern uns am 1. September dieses Jahres an den Beginn des sogenannten „Euthanasieprogramms“ vor 70 Jahren, dem 260.000 Psychiatriepatienten und behinderte Menschen zum Opfer fielen. Der Boden für dieses unbeschreibliche Grauen wurde mit der Propaganda bereitet, lebenswertes von lebensunwertem Leben zu unterscheiden.
Deshalb können wir uns Gleichgültigkeit nicht leisten. Es ist ein geschichtlich kurzer Zeitraum, den wir überblicken müssen, um zu sehen, wohin die Reise gehen kann. „Wer das Böse widerspruchslos hinnimmt, unterstützt es in Wirklichkeit“ sagte Martin Luther King. Deshalb wünsche ich mir: Schauen Sie nicht weg! Lassen Sie nicht zu, wenn in Ihrer Umgebung verdeckt oder offen gehetzt, gestichelt, gelästert wird. Und: Gehen Sie wählen! Jede Stimme für eine demokratische Partei senkt das Risiko des Einzugs einer rechtsextremen Partei in den Landtag.

Winfried Weinrich


Ordinariatsrat Winfried Weinrich
Leiter des Katholischen Büros Erfurt, Kommissariat der katholischen Bischöfe in Thüringen:

Mitbestimmung, Demokratie und freie Wahlen - das forderten die Menschen bei der friedlichen Revolution in der DDR: „Wir sind das Volk“. Was damals galt, gilt auch heute: Demokratie braucht Demokraten. Der Gang zur Wahlurne ist darum das Mindeste (aber nicht das Wenigste!), was die Demokratie am Leben hält. Besonders dann, wenn ein Land wie Deutschland große Herausforderungen wie die Finanz- und Wirtschaftskrise bewältigen muss und wichtige Weichenstellungen vorgenommen werden.

Ich bin darum froh, dass die Zufriedenheit mit der Demokratie in den letzten Jahren wieder zugenommen hat. Aber wir müssen wachsam bleiben. Wenn Extremisten in politische Verantwortung kommen – das wissen wir aus der Geschichte –, gefährden, ja zerstören sie letztlich den freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat. Deren Programme und Ziele sind aber mit dem christlichen Menschenbild, das unserer Verfassung zugrunde liegt, nicht vereinbar, ihre Politiker sind für Christen nicht wählbar.

In Schwerin haben jüngst die Katholischen Länderbüros eine Untersuchung zum Thema christliche Ethik und Rechtsextremismus vorgestellt. Ich stehe voll und ganz hinter der Kernaussage des Gutachtens: Widerstand gegen Rechtsextremismus ist eine Christenpflicht. Wenn beispielsweise kommunale rechtsextremistische Parteivertreter nach den Kommunalwahlen in einer thüringischen Stadt fordern, den Ausländerbeauftragten in einen Ausländerrückführungsbeauftragten umzubenennen, zeigt das deutlich, was Rechtsextremisten von Menschenwürde und Menschenrechten halten. Auch die abscheuliche Bedrohung des aus Angola stammenden Politikers Zeca Schall durch die NPD ist dafür ein erschreckendes Beispiel. Darum: Niemals rechtsextrem wählen! Das verträgt sich nicht mit der Demokratie.

 
Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung

Kein Ort für Neonazis in Thüringen! Mit dieser Kampagne fördert die Amadeu Antonio Stiftung vor den Wahlen Initiativen und Projekte, die das Problem des Rechtsextremismus klar beim Namen nennen und etwas dagegen tun wollen. Ein Aufkleber an der Laterne, an der Tür, im Büro – »Kein Ort für Neonazis« ist ein deutliches Statement. Es sagt: nicht hier, nicht in meiner Gegenwart, nicht bei diesem Thema, nirgends. Wir wissen, wovon wir uns abgrenzen und wie gefährlich die NPD in ihrer Demagogie der Volksgemeinschaft wirkt. Deshalb sind Sie am kommenden Sonntag auch aufgefordert wählen zu gehen und diese Stimme demokratisch zu vergeben. Denn auch der Wahlzettel ist „Kein Ort für Neonazis“.